Gesundheitsschutz : Strukturiertes Abfallmanagement für nachhaltige Müllverwertung
Chirurgische Edelstahl-Instrumente oder Kunststoff- und Aluminiumverpackungen – Krankenhausmüll dieser Art wird in den meisten Fällen kosten- und emissionsintensiv verbrannt. „Krankenhäuser sind mit jährlich 4,8 Millionen Tonnen Deutschlands fünftgrößte Abfallproduzenten. Nur 30 Prozent der Abfälle werden recycelt“, sagt Michael Schmitz, Leiter des Fachbereichs Abfallmanagement des Universitätsklinikums Bonn. Krankenhäuser sollen vorrangig Menschen behandeln, „das geht aber auch nachhaltig, im Sinne der Kreislaufwirtschaft“, so Schmitz. Er hat ein Konzept zur Optimierung interner Abfallströme erarbeitet, mit dem die Klinik jährlich mehr als hunderttausend Euro bei der Entsorgung spart und ihre CO2-Belastung messbar senken konnte.
Schmitz rät Führungskräften von Einrichtungen im Gesundheitswesen, aber auch anderer Gewerbe, sich mit umweltschonender Entsorgung auseinanderzusetzen. Es fehle vielerorts das Wissen darüber, wie sinnvolles Abfallmanagement die Nachhaltigkeit eines Unternehmens beeinflussen und gesundes, sicheres, effizientes Arbeiten gewährleisten kann. Denn „der fortschreitende Klimawandel kann sich auf die Gesundheit aller erwerbstätigen Menschen auswirken. Sich jetzt für nachhaltige Arbeitsweisen einzusetzen, ist Grundlage unserer Möglichkeiten in der Zukunft.“
Daten sammeln, Maßnahmen finden
Supermarkt, Kantine, Parkplatz oder Fahrzeuge: Die Strukturen eines Uniklinikums sind so komplex wie die einer kleinen Stadt – entsprechend umfassend sind die Entsorgungsregelungen. Die Bonner Vorgehensweise bietet dennoch eine gute Orientierung für nachhaltiges Wertstoffmanagement. Im ersten Schritt braucht es Einsicht, wie viel Müll wo anfällt. In Bonn wurden Abfallmengen digital erfasst und katalogisiert. Allein dadurch spart das Klinikum fast 40 Prozent des Entsorgungsaufwandes in der Logistik ein. Im zweiten Schritt wurde weiteres Potenzial ausgelotet. Besonders gut recycelbar sind etwa hochwertige Kunststoffverpackungen oder die Aluminiumkartuschen von Atemkalk für Narkosen. Mit deren Herstellern erarbeitete Schmitz ein Rücknahmesystem.
Abfall nachhaltiger organisieren
- Kann Müll besser getrennt werden? Wird er überhaupt getrennt?
- Mitarbeitende einbeziehen: Wo fällt besonders viel Müll an?
- Welche Produkte/Materialien eignen sich gut für Recycling?
- Gibt es wiederverwertbare Alternativen für Einwegprodukte?
- Gibt es (andere) Hersteller von Arbeitsmitteln, die Recycling- und Rücknahmesysteme anbieten?
- Mitarbeitende für Ressourcenverbrauch sensibilisieren: Sind sozialgesellschaftliche und gesundheitliche Folgen bekannt?
Außerdem wurde in Absprache mit OP-Mitarbeitenden und dem Fachbereich Materialwirtschaft festgestellt, dass OP-Geräte wie Scheren oder Pinzetten nur einmal genutzt werden, weil eine Desinfektion zu kostspielig und aufwendig ist. Auch für sie wurde dann ein Rücknahme- und Wiederverwertungssystem etabliert. Denn sie bestehen aus hochwertigem Edelstahl, dessen Recycling nicht nur nachhaltiger, sondern sogar günstiger ist als die Entsorgung in speziellen Hochverbrennungsanlagen. Um die Abfälle für die Abholung auf dem hauseigenen Wertstoffhof korrekt zu sortieren, gibt es verschiedenfarbige Abfallbehälter für den Klinikalltag. „Das ist ein effektives und einfach anwendbares Vorgehen. So werden Mitarbeitende nicht in ihren Arbeitsabläufen eingeschränkt oder kommen mit gefährlichen Abfallarten in Kontakt“, so Schmitz.
Klicktipp: Trendbeschreibungen Recycling und Kreislaufwirtschaft
Die Trendbeschreibungen informieren über aktuelle Trends und ihre Effekte auf die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten – auch zum Thema Recycling.
Immer im Austausch für Verbesserungen
Das Konzept findet intern positiven Anklang. „Mitarbeitenden gibt es ein gutes Gefühl, dass beispielsweise die unübersehbaren Mengen an Verpackungsmüll nach Operationen recycelt werden“, weiß der Abfallexperte. Er arbeitet gezielt mit Führungskräften und Beschäftigten aller Klinikbereiche zusammen, aber Bereiche und Stationen reichen auch selbstständig Fragen ein oder geben Hinweise. Zusätzlich gibt es ein „Green Team“, das sich mehrmals im Jahr berät: 42 Beschäftigte aus diversen Disziplinen engagieren sich ehrenamtlich, von der Oberärztin über das Baumanagement bis zum OP-Pfleger – damit weiterhin alle unter ressourcenschonenden und gesunden Bedingungen arbeiten können.