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Schimmel: Archivgut und Beschäftigte schützen
Im Stadtarchiv Bad Münstereifel trugen Beschäftigte bei der Bergung von Büchern und Unterlagen Schutzkleidung. © LVR-AFZ
Verantwortlich führen

Schimmel: Archivgut und Beschäftigte schützen

Gefährliche Biostoffe wie Schimmel können die Gesundheit von Beschäftigten in Archiven gefährden. Was tun mit kontaminierten Archivgütern?

Datum: 02.12.2021

Zahlreiche Archive sind bei der Hochwasserkatastrophe Juli 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beschädigt oder gar zerstört worden. In Bad Münstereifel beispielsweise war das Stadtarchiv bis unter die Decke geflutet. Um das Archivgut zu retten, griff der Landschaftsverband Rheinland (LVR) ein. Das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (LVR-AFZ) in Pulheim schickte dafür Teams ins Katastrophengebiet.

Schimmel kann Allergien und Krebs erzeugen

Alle Entsandten hatten bereits Erfahrung im Bergen von Archivmaterial. Ausgestattet mit der benötigten Persönlichen Schutzausrüstung, bestehend aus Einmalanzügen, Arbeitshandschuhen und FFP3-Masken, retteten sie, was zu retten war. Wichtig waren auch Sicherheitsschuhe, denn in vielen Teilen des Katastrophengebiets bedeckte eine Schicht aus Schlamm den Boden.

„Es waren bereits fünf Tage vergangen, bis wir in die betroffenen Archive gelangen konnten. Wir gingen daher pauschal davon aus, es mit starker Verschmutzung und gesundheitsschädlichem Schimmel zu tun zu bekommen“, berichtet Matthias Senk, der die Hilfseinsätze koordinierte. Denn Schimmelpilzsporen können Allergien auslösen, Organe schädigen und gar Krebs erzeugen.

Wissen um Schimmel in Archiven vermitteln

Dramatische Verhältnisse wie nach der Flutkatastrophe sind in Archiven die Ausnahme. Häufiger sind es kleinere Wasserschäden – etwa infolge eingedrungener Luftfeuchtigkeit oder eines Rohrbruchs –, die die Archivgüter in Mitleidenschaft ziehen. Doch auch dann ist mit Schimmelbildung zu rechnen.

Wie mit kontaminiertem Archivgut umzugehen ist, sollte daher in Schulungen vermittelt werden. Dazu zählt, dass kontaminiertes Archivgut – feuchtes wie trockenes – vor der Bearbeitung und Einlagerung dekontaminiert werden muss. Aber auch, dass stets die passende Maske getragen werden sollte, um die gesundheitsschädlichen Pilzsporen nicht einzuatmen.

Bei verschmutztem Archivgut braucht es Einmalkittel, Einmalhandschuhe und die passende Maske. © LVR-AFZ

Auf Temperatur und Luftfeuchte achten

Ansonsten gilt: Je besser das Archivgut vor Schimmelbefall geschützt ist, desto besser für die Beschäftigten. Dabei spielt das Raumklima im Gebäude und in den Archivräumen eine große Rolle: „Im Magazin, wo das Archivgut gelagert wird, sind Dauerarbeitsplätze zu vermeiden. Dafür ist es zu kühl“, sagt Andreas Krieger, Hauptabteilung Prävention der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen. Denn idealerweise herrschen im Magazin 18 Grad Celsius, plus/minus zwei.

Laut TRBA 240 sollte die relative Luftfeuchte 50 Prozent betragen, plus/minus fünf Prozent. Dann haben es Mikroorganismen wie Schimmelpilze besonders schwer. In unklimatisierten Büros variiert die relative Luftfeuchte hingegen und beträgt je nach Jahreszeit und Wetterlage zwischen 30 und 70 Prozent.

Kontaminiertes Archivgut einfrieren

Beschäftigte sollten die Magazine von Archiven und Bibliotheken nur betreten, um Archivgut herbeizuschaffen oder zurückzubringen. Die Arbeit mit den Archivalien erfolgt im Lesesaal oder in den Büros. „Hier gelten dann die Bestimmungen und Regeln für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze“, so Krieger.

Beschädigtes Archivgut lässt sich zum Glück oft noch retten. Allein in Bad Münstereifel wurden rund 30.000 Archivkartons mit Unterlagen geborgen. Diese wurden vor Ort an der frischen Luft gereinigt, in Folie verpackt und schockgefroren. Nun lagern sie bei minus 25 Grad Celsius in einem Kühlhaus.

Klicktipps: gesund arbeiten in Archiven

Einen Überblick über Regelungen des Arbeitsschutzes in Archiven und Bibliotheken bietet die PIN 32 der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen.unfallkasse-nrw.de Webcode: S0285

Veröffentlicht von: Jörn Käsebier