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Gesundheitsschutz

Psychische Gesundheit bei Arbeiten an Straßen

Wer nah an einer Straße arbeitet, muss Aufgaben und Verkehr zugleich im Blick behalten. Das kann die psychische Gesundheit von Beschäftigten beeinträchtigen. Führungskräfte können helfen, vorzubeugen.

Geschrieben von: Stefanie Roloff

Datum: 22.09.2026

Psychische Gesundheit bei Arbeiten an Straßen
Die Risiken bei Arbeiten an Straßen können auch die psychische Gesundheit gefährden. ©Imago/Rolf Poss

Ein Fahrzeug fährt dicht an einer Absicherung vorbei. Nur wenige Meter daneben entfernen Beschäftigte einer Straßenmeisterei ein verlorenes Ladungsteil von der Fahrbahn. Sie behalten den Verkehr im Blick, stimmen sich im Team ab und müssen zugleich zügig handeln, damit aus der Gefahrenstelle keine Unfallstelle wird.

Mögliche Belastungen erkennen

Solche Situationen fordern nicht nur körperlich, sondern auch mental: Beschäftigte müssen konzen­triert bleiben, schnell entscheiden und mit der Unberechenbarkeit des Verkehrs umgehen. Die psychische Belastung ist dabei nicht automatisch negativ. „Ob aus einer zunächst neutralen Belastung Stress oder Arbeitsfreude wird, hängt stark vom Menschen ab“, sagt Jan Hetmeier, Experte für psychische Belastung bei der Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB).

Wie vielfältig solche Gefährdungen sein können, zeigt die DGUV Information „Psychische Belastung im Straßenbetrieb – langfristig sicher und gesund arbeiten“ – die unter Hetmeiers Federführung entstanden ist. Sie nennt unter anderem Zeitdruck, ungünstige Arbeitszeiten, Witterungseinflüsse, lange Aufmerksamkeitsphasen und belastende Unfallereignisse als mögliche Faktoren.

Unterstützung nach Unfällen

„Im Straßenbetriebsdienst ist das Risiko, bei einem Arbeitsunfall tödlich oder schwer verletzt zu verunglücken, rund 13 Mal ­höher als in der gewerblichen Wirtschaft“, sagt ­Hetmeier. Trotz Sicherheitsmaßnahmen fahren immer wieder Autos oder Lastkraftwagen in Absicherungen. Viele Beschäftigte kennen schwere oder tödliche ­Unfälle aus dem eigenen Umfeld. Als Beispiel dafür, wie Betriebe Beschäftigte nach solch schrecklichen Ereignissen unterstützen können, nennt Hetmeier ein Programm der Autobahn GmbH des Bundes zur Traumaprävention: Führungskräfte wurden geschult, Traumalotsinnen und -lotsen ausgebildet und Beschäftigte für mögliche psychische Folgen sensibilisiert.

Auch der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026 nimmt den „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ als Hochrisikobereich in den Blick. Er macht deutlich, dass Sicherheit nicht nur vom Verhalten einzelner Verkehrsteilnehmender abhängt, sondern auch von Technik, Infrastruktur und Organisation, etwa durch klar gekennzeichnete Arbeitsstellen.

Arbeitslast wirkt sich auf psychische Gesundheit aus

Im Straßenbetrieb gibt häufig die Lage vor Ort das Arbeitstempo vor: Eine vereiste Straße muss gestreut, eine Arbeitsstelle gesichert, eine Gefahrenstelle beseitigt werden. „Eine hohe Arbeitslast, also zu viel zu tun zu haben und nicht hinterherzukommen, ist einer der schädlichsten Faktoren für die psychische Gesundheit“, sagt Hetmeier. Besonders herausfordernd werde es, wenn Beschäftigte zugleich kaum Einfluss auf Abläufe, Fristen, Pausen oder Arbeitsmethoden haben.

Führungskräfte können hier ansetzen. Sie sollten Einsätze so planen, dass genug Zeit, ausreichend Personal und verlässliche Pausen vorgesehen sind. Vor Ort ­helfen klare Absprachen: Wer übernimmt welche Aufgabe? Wann wird Unterstützung geholt? Wann wird eine Arbeit unterbrochen, wenn es zu gefährlich wird? So bleibt der Druck nicht allein bei den Beschäftigten am Straßenrand.

Psychische Gesundheit bei Arbeiten an Straßen: Eine Führungskraft spricht mit einem Beschäftigten. Beide tragen Helm und Warnweste und stehen unweit einer Straße zusammen.
Führungskräfte sollten sich vor Ort ein Bild machen und ihren Beschäftigten zuhören. ©Getty Images/Dobrila Vignjevic

Symptome psychische Gesundheit bei Arbeiten an Straßen

Häufen sich Fehlzeiten, Konflikte, Arbeitsunfälle oder Beinahe-Ereignisse, sollten Führungskräfte aufmerksam werden. Auch Gereiztheit, Erschöpfung oder Rückzug können Hinweise darauf sein, dass vermehrt Gefährdungen durch psychische Belastung auftreten. Solche Warnsignale fallen jedoch nur auf, wenn Führungskräfte nah genug am Arbeitsalltag sind. „Erkennen beginnt mit Hinsehen. Und Hinhören“, sagt Hetmeier.

Das wichtigste Instrument ist die Gefährdungsbeurteilung. Arbeitgebende müssen dabei auch psychische Belastungsfaktoren berücksichtigen. Sie lassen sich etwa über Einzelgespräche, Workshops, Mitarbeitendenbefragungen oder die Auswertung von Arbeitsunfällen erfassen. Auch über Fragebögen oder Beobachtungsinterviews lassen sich die Beschäftigten einbinden.

Führungskräfte setzen Rahmen

Führungskräfte können den Verkehr nicht beeinflussen. Aber sie können Einsätze so vorbereiten, dass Beschäftigte sicherer und konzentrierter arbeiten. Dazu gehören laut Hetmeier realistische Zeitplanungen, das Sicherstellen einer ausreichenden Personalstärke sowie regelmäßige Unterweisungen und Trainings.

„Bei Schichtarbeit ist eine ergonomische Planung der Einsätze das A und O“, sagt der Arbeitsschutz- und Präventionsexperte. Schichten sollten möglichst vorwärts rotieren, also von Früh- über Spät- zur Nachtschicht. Nach drei bis vier Mal Nachtarbeit brauche es freie Zeit zur Erholung. Auch Technik kann entlasten. Als Beispiel nennt Hetmeier Leitkegelsetzer bei Bauarbeiten: Ein Greifarm setzt die Pylonen vom Fahrzeug aus auf die Fahrbahn. Dadurch seien die Beschäftigten nicht mehr direkt den Gefahren des fließenden Verkehrs ausgesetzt und würden entlastet.

Checkliste: Psychische Gefährdung am Straßenverkehr vermeiden

Auf diese Faktoren sollten Führungskräfte achten:

  • Ergebnisse der Gefährdungs­beurteilung in Maßnahmen übersetzen
  • prüfen, ob die Maßnahmen im Alltag helfen
  • Zeitfenster, Personalstärke und Pausen realistisch planen
  • hohen Zeitdruck und geringe Handlungsspielräume vermeiden
  • Zuständigkeiten und Kommunikationswege klar festlegen
  • herausfordernde Situationen im Team ansprechen
  • in den Umgang mit neuen Geräten, persönlicher Schutzausrüstung und Abläufen einweisen
  • sichere Arbeitsabläufe regelmäßig trainieren
  • belastende Situationen offen im Team ansprechen
  • Unterstützung nach schweren Arbeitsunfällen oder Übergriffen organisieren
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