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Das richtige Feedback geben
Fragen für konstruktives Feedback: Was kann die betreffende Person damit anfangen und kann sie etwas ändern? © raufeld

Kolumne : Das richtige Feedback geben

Feedback geben ist wichtig. Doch ufert es aus, gehen wichtige Inhalte verloren, meint Imke König, und betont Feedback mit Bedacht.

Wer im Internet einkauft oder etwas bucht, wird häufig hinterher um eine Bewertung gebeten. Als Psychologin und Sozialwissenschaftlerin bin ich grundsätzlich ein Fan von Befragungen und Feedback – nur so kann man lernen und Dinge verbessern! Andererseits habe ich online zuweilen den Eindruck, dass mein Feedback und meine Kommentare missbraucht werden. Unerwünschte Werbung an mich wäre ein Beispiel dafür. Aber noch etwas treibt mich um: Wann immer ich Feedbackkommentare lese, scheint mir, dass sich bei bestimmten Themen nur – etwas umgangssprachlich gesagt – hochneurotische Menschen verewigen. Es klingt so, als ob ein kleines Kind seinen Willen nicht bekommen hat.

Feedback - immer und überall?

Das lässt sich auch in der realen Welt erleben. Auf meiner letzten Bahnreise erzählte mir der Zug­begleiter, er habe sich innerhalb von einer halben Stunde um folgende Probleme in der Ersten Klasse kümmern müssen: Der Teebeutel einer Dame sei gerissen, einer an­deren Frau sei die Brezel zu kalt ­gewesen. Im Bordrestaurant habe jemand geäußert, der Rucola sei zu scharf.

Nun kam mir der Gedanke: Ist es durch das ständige Abfragen von Feedback, wie ich dies fand und jenes erlebe, womit ich zufrieden war und wo ich Verbesserungsbedarf sehe, möglicherweise zu einem Trugschluss gekommen? Und zwar, dass ich zu allen Kinkerlitzchen, die nicht zu 150 Prozent meine Bedürfnisse erfüllen, meinen Senf dazugeben beziehungsweise mich beschweren und andere Leute zum Erfüllen meiner Bedürfnisse bringen muss?

Imke König ist Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und Coach. In ihrer top eins-Kolumne gibt sie Führungskräften Tipps für eine ausgewogene Work-Life-Balance und effizientes Stressmanagement, Illustration: Raufeld Medien
Imke König ist Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und Coachin. In ihrer top eins Kolumne gibt sie Tipps für den Führungsalltag und berichtet von ihren Beobachtungen aus der wilden Arbeitswelt. © raufeld

 

Ein Kollege von mir nennt solche Dinge „Erste-Welt-Probleme“ (nach den im Internet verbreiteten „First World Problems“). Mir hilft diese Phrase, in Situationen mit gerissenen Teebeuteln (nicht mein Thema), aber auch Staus und Wartezeiten auf Bahnsteigen, kaltem Kaffee oder ausverkauften Artikeln, wieder auf den Boden der wirklich wichtigen Probleme zurückzukommen.

Wann ist Feedback wichtig?

Damit kommen wir zur Arbeitswelt: Welche unserer Rückmeldungen an Kolleginnen und Kollegen, Führungskräfte und nächsthöhere Führungskräfte sind wirklich wichtig? Ist meine Arbeitszufriedenheit mit diesem und jenem immer entscheidend? Sollten wir uns nicht lieber fragen: Was kann die betreffende Person damit anfangen und kann sie das, was ich da zurückmelde und ­anders haben möchte, auch selbst ändern?

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Was wichtiges Feedback angeht, ­erlebe ich interessanterweise im ­beruflichen Kontext und vor allem in Teams untereinander eher eine mangelnde Offenheit. Es wird im schlimmsten Fall mit anderen ­da­rüber geredet, aber nicht mit der Person, die es angeht. Oder es wird herumgedruckst und alles in sich hineingefressen – und im ­falschen Moment herausgeschrien. Im drittschlimmsten Fall wird mit unklaren Andeutungen drum herum geredet. Sie denken, die falschen Prioritäten beim Feedback sind trivial? Das kommt so nicht vor? Dann fragen Sie mal herum, wie viele Kolleginnen und Kollegen sich schon auf welche Art und Weise über das ­Lüften ausgetauscht haben. Davon zu erzählen, braucht eine weitere Kolumne.