Führungskultur : Interview: Führung in Teilzeit braucht klare Rahmenbedingungen
Führung in Teilzeit ist im öffentlichen Dienst schon weiter verbreitet, als in der freien Wirtschaft, weiß Trainerin Johanna Fink. Diese Entwicklung sollte aktiv gefördert werden, denn mit einem gut durchdachten Konzept können davon alle Beteiligten profitieren.
Frau Fink, was sagen Sie zu dem Argument, Führungskräfte müssten jederzeit erreichbar sein?
Das ist ein veraltetes Vorurteil aus einer Zeit, in der Führung noch mit Kontrolle und inhaltlichem Anleiten zusammenhing. Die beste Fachkraft wurde anleitende Führungskraft. Heute, in einer postindustriellen Zeit, geht es häufig darum, Menschen zu führen, eine verantwortliche Arbeits- und Unternehmenskultur zu schaffen, Hürden abzubauen und so für motiviertes Arbeiten zu sorgen. Dafür muss ich in der Regel nicht immer vor Ort sein. Und wenn doch ständige Verfügbarkeit gefordert ist, können Modelle greifen, in denen sich zwei Führungskräfte eine Stelle teilen.
Wie gelingt Führung in Teilzeit in der heutigen Zeit?
Mit Struktur, Transparenz und einer guten digitalen Arbeitsumgebung. Moderne Tools für die intern einsehbare Aufgabenverteilung und Status-Quo-Abfrage halten alle auf dem Laufenden. Mit geteilten Dokumenten und Zugängen können Vertretende und das Team auch bei Abwesenheit weiterarbeiten. Natürlich müssen einige Aspekte der Arbeit genauer geplant werden, etwa Zeitslots für wichtige Meetings oder fixe Termine für kollegialen Austausch. Aber davon können alle profitieren, wenn deshalb Aufgaben sinnvoll priorisiert und Meetings besser strukturiert werden – oder der locker geplante Kaffeeplausch fürs Teambuilding nun auch wirklich stattfindet.
Bei Wunsch nach Führung in Teilzeit planvoll vorgehen
Wenn eine Führungskraft in Teilzeit wechseln will, was sollte vorher bedacht und an Vorgesetzte kommuniziert werden?
Zuerst muss ich meine persönlichen Rahmenbedingungen klären: Wie viele Stunden kann – oder will – ich arbeiten und welches Arbeitszeitmodell passt zu meiner Lebensrealität? Das ist besonders für diejenigen wichtig, die wegen zusätzlicher Carearbeit ihre Stunden reduzieren. Dabei sollte ich auch mein soziales Umfeld und einen zeitlichen Puffer berücksichtigen, den ich zwischen Lohn- und Carearbeit benötige. Mit konkreten Vorstellungen kann ich mich dann an die Arbeitgebenden wenden.
Ist Teilzeit ein Frauenthema?
Teilzeit ist dann ein Frauenthema, wenn sie in Verbindung mit der Carearbeit von Kindern steht. In Teilzeit arbeiten wesentlich mehr Mütter als Väter. Dabei wollen auch letztere gern reduzieren: Durchschnittlich arbeiten Männer mehr als sie gern würden – und Frauen weniger. Männliche Teilzeitführungskräfte gibt es tatsächlich noch wenige.
Viele Führungskräfte wollen in Teilzeit arbeiten
In einer Umfrage der top eins ...
Warum können Unternehmen und Einrichtungen davon profitieren, Führung in Teilzeit zu ermöglichen?
Studien ergaben, dass es sich positiv auf Motivation, Kreativität, Produktivität und Ausgeglichenheit auswirkt, wenn es Menschen ermöglicht wird, so zu arbeiten, wie sie wollen. Diese Aspekte haben auch einen positiven Effekt auf die Arbeitgeberattraktivität. Das können Unternehmen für verschiedene Stellschrauben nutzen: die Mitarbeitendenbindung, die Produktivitätssteigerung, die Personalfindung. Teilzeit ist also auch als Ausgleich für den Fachkräftemangel relevant.