Hausmeisterin Conny mit einem Bilderrahmen
Glosse

Musenkuss

Bestseller-Autorin Constanze Kleis schlüpft für topeins in die Rolle von Hausmeisterin Conny. Sie betrachtet alltägliche Dinge der Arbeitswelt aus einem ganz speziellen Blickwinkel.

Man sieht es mir vielleicht nicht an, aber ich bin durchaus eine Kreative. Schließlich muss ich als Hausmeisterin täglich Lösungen kreieren, die im Standard-Handwerks-Repertoire so nicht vorgesehen sind. Etwa die Gestänge der Designerstühle im Konferenzraum mit Basteldraht und alten Kaugummis zusammenzuhalten. Deshalb weiß ich auch, dass nichts länger hält als das Provisorium. Vor allem aber weiß ich, was es braucht, um kreativ zu sein. Oder eher: was man unterlassen sollte. Nämlich jedweden Versuch, die Muse zwingen zu wollen. Schließlich verhält es sich mit der Kreativität wie mit meinem Mann. Beide darf man auf keinen Fall zu außergewöhnlichen Leistungen drängen.

Auch die Muse braucht Produktionsbedingungen

Es muss im Gegenteil immer so aussehen, als läge da eine völlig freie Bahn vor ihnen, die weder von Erwartungen – geschweige denn Geboten – noch von Verpflichtungen verstellt wird. Schon gar nicht von Ängsten, dass das, was da gerade ausgebrütet wird, für dämlich gehalten werden könnte. So wie seinerzeit die Idee, die Erde sei keine Scheibe, sondern ein Ball, um den es sich herumlaufen lässt – einfach so – ohne ins Bodenlose zu fallen. Kurz: Auch die Muse braucht bestimmte Produktionsbedingungen. Offenbar ist das nun auch in unsere Chef-Etage vorgedrungen.

Belebt das Denken

Als ich kürzlich am Konfi vorbeikomme, höre ich die Montagsrunde herzlich lachen. Ich stutze, denn sonst herrscht dort eher eine Stimmung, als wäre gerade die Kantine abgebrannt. Lisa vom Empfang erzählte mir später, dass der Chef jeden aufgefordert hatte, seinen Lieblingswitz vorzutragen. O-Ton Dr. Müller: „Das belebt nicht nur die Stimmung, sondern auch das Denken!“ Außerdem hatte er Weintrauben für alle mitgebracht und jeden gebeten, sie später im Büro ganz bewusst zu essen – „ohne an irgendetwas anderes zu denken als an diese eine Traube, die Sie gerade im Mund haben“. Um weiterzukommen, müsse man endlich einmal die üblichen Spurrillen von Funktionieren und Routine verlassen, und er ergänzte, dass Corporate Compliance die „Querschnittslähmung der Führungsebene“ sei. Das habe er erst kürzlich im Wirtschaftsmagazin brandeins gelesen. Das hätte ich ihm natürlich schon vor Jahren sagen können. Doch um derart von der Muse geküsst zu sein, Kreativität auch dann (an)zuerkennen, wenn sie einem im grauen Hausmeisterkittel begegnet, muss man wohl selbst erst einen getragen haben.

Autorin: Constanze Kleis

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